Freitag, Juni 26, 2009

Wortfehlerei

Vielen Dank, Etosha, für diesen Hinweis!

Der Fernsehsender 3Sat und der Buchverlag dtv haben noch letztes Jahr einen Sprachwettbewerb gestartet, bei dem fehlende Worte zu Themen bzw. Dingen gefunden werden sollten, die noch keine rechten Bezeichner haben.

Hier ein Artikel dazu und die Liste der 70 Gewinnwörter gibt es hier.

Ich finde da wirklich einige gute Worte in der Liste, etwa geruchstaub, Regenwürze, Bellomanie, Lidsenker oder etwa tiefmütig, um nur einige zu nennen. Mein Lieblingswort aus der Liste wurde spontan aber die Bezeichnung für die manchmal ungleiche Verteilung von gutem Wetter tags und nachts:

Wetterverschwendung
...von Heinz Burger


Ach, beim Schreiben ist mir mal wieder aufgefallen, dass ich Momente habe, in denen mir Worte, die eigentlich fast alltäglich sind, nicht einfallen wollen und ich nicht so richtig sagen bzw. schreiben kann, was ich eigentlich will. Da fühle ich mich richtig wortschwach!

Mittwoch, Juni 24, 2009

Der Fuß muss raus

Ach was ist das ein Wohlgefühl, wenn ich bei der Arbeit meine Füße aus den Schuhen befreie und sockig mein Werk verrichte.

Freiheit für die Füße!

Dienstag, Juni 23, 2009

Kunstknie für Moslems

Ich, der ich selbst ein von früheren Fußballertagen nicht mehr ganz gesundes Knie besitze, habe heute etwas interessantes erfahren: unter der Forscher-/Entwicklergemeinde von künstlichen Kniegelenken gibt es ein Geschäftsfeld, dessen sich immer mehr annehmen. Es wird viel darin investiert, Kunstknie für Moslems zu entwickeln.

Die normalen Kniegelenke schaffen bei optimaler Weichteilanpassung nach einer Rehabilitationszeit mechanisch maximal eine Beugung von ungefähr 110 Grad. Genug, um im Alltag zu bestehen, jedoch nicht genug, um in Gebetshaltung niederzuknien. Und so wurde hier Geld geschnuppert und wir dürfen bestimmt im hohen Alter alle von verbesserten Knien profitieren, so wir denn welche brauchen.

Oder meint ihr, man muss Moslem sein, um dann auch ein solches Knie zu bekommen? Dann sollten potentielle Patienten vielleicht frühzeitig konvertieren...

Donnerstag, Juni 18, 2009

Bahngeschichten

Auch wenn ich heute sportlicher Weise mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren bin, so bin ich grundlegend derzeit doch öffentlicher Verkehrsmittelbenutzer. Das ist ganz schön und auch angenehm, besonders, da die Verbindungen (Bus->Zug->Ubahn) für meine Ansprüche recht gut in ihrem Zeitplan liegen.

So habe ich mir auch eine Jahresabokarte besorgt und muss mich nicht um Tickets bemühen. Vor einigen Wochen aber hatte ich meine Karte im Bus verloren. Das wusste ich deshalb so genau, da ich sie dem Busfahrer noch zeigte und gleich nach dem Aussteigen am Bahnhofsplatz in die Tasche griff und sie nicht mehr fand. Der Bus war dann aber auch schon weg. Musste das Telefonat gewesen sein, denn ich hatte mein Handy aus der gleichen Tasche rausfummeln müssen, in der ich auch die Karte hatte.

Nun gut, musste ich eben für 2,60 Euro eine Einzelfahrkarte kaufen. Hin und zurück jeweils das gleiche Spiel. Im Fundbüro wurde meine Karte anscheinend nicht abgegeben, jedoch wurde ich vertröstet, sowas könne auch schon einmal dauern. Nun hatte ich mir eine Woche Zeit gegeben und just am letzten Tag fand ich den Umschlag mit der Karte im Briefkasten. Happy End also und grob 25,- Euro Umkosten deswegen. Hatte ja täglich Fahrkarten gekauft und den Bus nicht mehr benutzt sondern bin zu Fuß bis zum Bahnhof gelaufen.

Einige Tage später sitzt mir im Zug eine Frau gegenüber, die bei der Kontrolle kurz in ihrer Tasche wühlt und dann zum Schaffner sagt, sie hätte ihre Abokarte in der anderen Tasche vergessen. Naja, sagt der Schaffner, zeigen Sie sie halt mal vor, oder so ähnlich. Seine genauen Worte verstand ich nicht, jedenfalls notierte er nichts und ging einfach weiter.

Gestern passierte mir das gleiche: ich hatte meine Karte nicht wie es sich gehört in meinen Geldbeutel getan, sondern sie in der Tasche gelassen, die ich gestern nicht dabei hatte. Auf der Hinfahrt wurde ich nicht kontrolliert. Ich hatte mir aber recht gut überlegt, gleich meinerseits anzubieten, dass ich diese gerne am Bahnhofsschalter vorzeigen werde! Auf der Rückfahrt aber, da kam der Schaffner, ich erklärte ihm die Situation und er meinte ganz nett, das sei durchaus möglich, er bräuchte nur meinen Ausweis. Er notierte einige Dinge in sein mobiles Rechenzentrum und druckte mir einen Zettel aus. Mit diesem solle ich zum Schalter gehen und die Karte vorzeigen. Das würde eine Gebühr von 7,- Euro kosten.

Bah! Mehr als mich zwei Einzelfahrkarten gekostet hätten!

Warum gönnt mir denn niemand eine Freifahrt auf Grund Vergessens?

Mittwoch, Juni 03, 2009

Eis muss nicht sein

Die, die mich kennen, wundern nicht selten darüber, dass ich kein Eis mag. Als Kind schon gar nicht und jetzt - naja - so ab und zu tue ich es mir an. Dann habe ich aus unerklärlichen Gründen plötzlich Lust drauf, allerdings sollte dann auch viel Beiwerk, etwa Früchte, dabei sein. Ein pures Eis, also etwa eine Kugel auf einer Waffel oder einem Becher, das passiert alle zwei Schaltjahre einmal.

Auch wenn gerade kein Schaltjahr ist, kürzlich war es soweit. Ich ließ mich überreden, mich zu einer Kugel einladen zu lassen. Ich entschloss mich für ein Meloneneis, was auch gut roch und dann sogar ganz gut schmeckte. Aber ich wurde dennoch gequält: der Herr an der Eistheke hatte einen guten Tag und meinte es gut mit all seinen Kunden.

Bei mir hatte er mit dieser einen (als Zahl: 1) Kugel aber nur eines bewirkt: ich werde da niemals mehr hingehen!

Montag, Juni 01, 2009

EU-Wahlen

Für mich als derzeit noch uninformierten und demzufolge auch unentschlossenen bot sich die Möglichkeit des Wahl-O-Maten.

Brav habe ich alle Fragen nach meinen Vorstellungen beantwortet und bin mit dem Ergebnis der Plätze 2-8 wenig überrascht. Sind doch da die Parteien so gelistet, wie ich es erwartet hätte. Nur Platz 1 hat mich geradezu geschockt: dort stand die Partei, die ich mit Sicherheit auf dem letzten Platz erwartet hätte.

Jetzt steh' ich hier ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor...

Muss mich also doch richtig und selbst über mehr als nur die bekannten Schreiereien der Parteien informieren.

Sonntag, Mai 31, 2009

Parallelen

Zufällig diesen Text und direkt danach diesen hier gelesen.

Der eine, männlich, wird von Drachen im Traum bedroht und schließt in tiefenpsychologischer Manier auf seine triebhafte Ur-Männlichkeit und eine wie auch immer geartete Unausgeglichenheit dieser.

Die andere, weiblich, schreibt über die Rolle der Helden, damals und heute. Damals - Drachen bezwingend - finden sich die Starken bei ihr heute im Kleinheldentum als Unbezwingbare vor den Frauen und der Welt.

Das Stichwort Drache welches bei beiden die Geschichte einleitet und die Tatsache, dass beide diese Geschichte am gleichen Tag schrieben, brachte mich zu dieser Gegenüberstellung. Vielleicht ist es so, dass die eine insgeheim Antworten auf die Fragen des anderen lieferte. Und bestimmt wussten beide nichts voneinander. So ein Unglück aber auch!

Möge dies gerne als Verkupplung angesehen werden.

Donnerstag, Mai 28, 2009

Aus dem Leben

Eine Familie bekam einen Sohn. Dieser sollte den Namen Horst bekommen, passierte auch so und auf diesen Namen hört er heute auch. Naja, ist ja auch schon über 40 Jahre alt, mittlerweile. Dieser Horst begegnete mir jetzt im Berufsleben, dies auch nur beiläufig und ich werde ihn wohl nicht wieder antreffen.

Das merkenswerte an dieser Geschichte: ich nannte ihn beim Nachnamen und fragte mich dabei immer, was seine Eltern wohl dazu bewogen hat, ihn Horst zu nennen, den Herrn Horstmann junior!?

Donnerstag, Mai 21, 2009

Vatertag

Eigentlich bin ich gerade gar nicht hier. Ich bin nämlich unterwegs auf meiner Vatertags-Fahrradtour, die ich mir mal endlich wieder gönnen wollte. Die erste Tour auf dem Drahtesel sollte es sein, ich habe diese Bewegung schon sehr vermisst. Frau und Kind geben mir ein tolles Geschenk und gönnen sich nach dem Frühstück ein entspannendes Vormittagsschläfchen und ich mach los...

Aber es kam alles ganz anders - sonst wär ich ja jetzt nicht hier, wie gesagt. Bevor ich zu meinem Gefährt im Schuppen gehe, hole ich mir die Fußpumpe aus dem Auto, denn nach dem langen Stehen, brauchen die Reifen bestimmt etwas Luft, bin ich mir sicher. Als ich aber mein Hinterrad erblickte, war ich doch etwas verwundert: es war nicht nur lau, sondern plotzeleer! Da war absolut keine Luft mehr zwischen Felge und Schlauch. Hm, komisch. Ich werde mal sicherheitshalber die Pumpe in meine Tasche packen und auf die Reise mitnehmen.

Ich schiebe das Fahrrad in den Hof und fange zu tretpumpen an. Doch auch hier: nicht der gewünschte Effekt: Die Pumpe ist defekt, der Schlauch hat einen beachtlichen Riss. Ach ja...kurz Schultern nach unten werfen und dann: auf zur Agip, die glücklicherweise gleich hier nebenan ist. Ich schiebe mein geliebtes Zweirad hintergewichtentlastend bis zur Tanke und schnappe mir die Luftpumpe. Erst noch den Reifen zurechtgeschoben, so dass das Ventil auch wieder ordnungsgemäß durch das Loch der Felge schaut und: angesetzt. Ein Knopfdruck und: der Reifen zeigt schnell wieder Form. Der optimale Druck für meinen Reifen ist 4 bar. Maximal dürfen es 5 sein. Ich mache kurz halt, um zu sehen, wie viel schon drin ist: genau 3 sagt die Anzeige. Also: noch ein kurzer Druck. Ich habe den Knopf noch gar nicht richtig berührt, da fällt ein Schuss direkt in meiner Nähe, mein rechtes Ohr pfeift. Besser als tot, denk ich mir, und sehe dann, dass die Gefahr nicht wirklich so groß war: mein alter Reifen hatte soeben lautstark seinen Dienst quittiert.

Yeah! Das war doch mal ein außergewöhnlicher Ausflug, an den werd ich mich erinnern!

Also, Fahrrad dort gelassen, heim gelaufen, Kindersitz aus Auto ausgebaut, zur Tanke gefahren, Rad eingeladen, Heim gebracht, Auto wieder in Ausgangszustand gebracht und wieder in die Wohnung. Kind und Frau noch seelenruhig liegend und ich, ich würd jetzt doch in Herrentagsmanier ein Bier trinken, wär es nicht erst halb elf.

Allen Vätern da draußen wünsch ich ebenfalls einen Tag mit tollen Erlebnissen!

Samstag, Mai 02, 2009

Zensur im Internet

Der folgende Beitrag stammt von Jens Scholz. Eine Weiterverbreitung seines Artikels hat er ausdrücklich genehmigt, solange er als Autor genannt wird.
Ich finde ihn durchaus sehr lesenswert.

Wer übrigens die Petition dagegen beim Bundestag im Internet zeichnen will, der klicke hier.
(glücklicherweise ist der Server recht belastet, daher etwas langsam)

Jens Scholz schrieb:

Warum es um Zensur geht


Da reiben sich gerade so viele die Hände, daß man eigentlich ein beständiges Rauschen hören müsste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuführen war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalität nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenmäßig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie schützen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod führen kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der übrigens natürlich nicht im Netz "erwischt" wurde, sondern über Handykontakte und DVDs per Post).

Aber ich schweife schon wieder - wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gewünscht ist - ab.

Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja natürlich nicht, daß man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie.

Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, daß eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, Zensur ermöglicht wird. Auch wenn die zunächst gesperrten Websites tatsächlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten müsste) wäre sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu können.


Technik

Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, daß Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen könne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden.


Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erhält die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, weiß er nicht und nachprüfen darf er das auch nicht, da ja schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, daß er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen.

Die allein schon technisch verursachten Risiken für jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie müssen künftig ihre Unschuld beweisen, z.B. daß sie "versehentlich" die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spaß beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erklären, wenn Sie überhaupt wissen, was das ist.

Die Lösung zunächst: Den Nameserver umstellen, um sich dieser Gefahr vollständig zu entziehen. Geht schnell und kann jeder.

Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbemühungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort können dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von Nerds gebaut worden. Ein Staat kann da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren können.


Verwaltung

Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen:

1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Prüfungsinstanz erstellt und die die Provider möglichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter über den Inhalt, es überprüft keine unabhängige Institution über die Rechtmäßigkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen überhaupt wieder von der Liste gelöscht werden könnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher darüber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei.

2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die Öffentlichkeit gerät kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verdächtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert.

3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, daß das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz möchte, daß auch "mittelbare" Seiten gesperrt werden können, kann somit de facto auch jede Seite gesperrt werden.

4. Das System soll die direkte Verfolgung von Zugriffen erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass für verdeckte Überwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorgänge sein.
Die Staatsanwälte dieses Landes üben ja seit einiger Zeit kräftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen über eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu möglichst spektakulär und öffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, Frau B.).


Psychologie

Womit wir schon beim gewünschten Effekt von Zensur sind: Die Einführung der Schere im Kopf. Die wirksame Selbstzensur, weil man nicht weiß, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik äußert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre völlige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewußt eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen.

Ein anderes ist die Verknüpfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels wären. Man weiß ja inzwischen, daß auch nur der leiseste Ruch, man könnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und Pädophilen zu tun haben, die Existenz vernichten kann, selbst wenn hinterher rauskommt, daß tatsächlich nichts an den Vorwürfen dran war. Wie nahezu generell nichts rauskommt. Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was natürlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weil sein Versuch, diese Schere im Kopf einzuführen (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden Trigger dranhängt (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt).

Die Justizministerin gibt dann noch Tipps in die richtigen Richtungen, die natürlich prompt reagieren. Überhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, daß Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war - so sagt sie zumindest - sie es, die den Gesetzentwurf gegenüber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen verschärfen ließ und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.


Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft überhaupt dazu kommen kann, daß ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu müssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich zähle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bekämpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel "Kampf der Kulturen" drüben bei netzpolitik.org durchlesen.