Montag, 31. Dezember 2012

ge-Ahnt

Ich habe seit einiger Zeit steigendes Interesse daran, meine Herkunft genauer zu beleuchten. Das bezieht sich auf mehrere Aspekte: Wo liegt der Ursprung meines Familiennamens? Was ist der historische Background für die Auswanderung, die meine Vorfahren im 18. Jhd. vollzogen haben? Wer sind überhaupt meine Vorfahren, bis in welche Generation kann ich das noch nachvollziehen und noch ein paar Details mehr interessieren mich.

Angefangen habe ich damit, das bereits erfasste Wissen bezüglich meiner Ahnen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und in einem geeigneten Programm zu erfassen. Allein das dauert nun schon drei volle Tage an und ich bin immer noch bei der Ahnenreihe meines Vaters. Von meiner Mutter habe ich außer ihr selbst noch immer nichts erfasst. Wie soll das bloß weitergehen, wenn die freien Weihnachtsfeiertage wieder vorbei sind? ;)

Jedenfalls ist diese Arbeit auf unerwartete Weise viel spannender als ich es gedacht hätte. Mein Eindruck ist, dass ältere Menschen mehr über dieses Thema und speziell ihre Vorfahren sprechen, als die Jungen. Und die Alten erzählen gerne davon, auch wenn sie sich dabei wiederholen. Indigene Völker legen auch meist sehr großen Wert darauf, die Geschichte ihrer Herkunft an die jungen Generationen aktiv weiterzugeben. Oft werden diese Erzählungen in Riten verpackt und ihnen wird etwas magisches bescheinigt.

Nach nur kurzer Arbeit an diesem Thema bin ich ebenfalls etwas verwundert darüber, wie viel Leben jetzt schon in mein Zimmer herein und wieder hinausgeschwirrt ist, vieles hat mich berührt, viele Daten erzählen von Schwierigkeiten vergangener Leben, die bewältigt wurden oder irgendwie hingenommen wurden und verarbeitet werden mussten. Mit dem Bewusstsein, dass diese Menschen als eine der vielen Früchte ihrer Anstrengungen mich hervorgebracht haben, berührt mich das alles viel mehr, als ich gedacht hätte.

Hier mal ein paar Dinge, die mir so durch den Kopf gehen, während ich die Daten einfach nur erfasse:

  • An einigen Stellen wird deutlich, dass neben der Liebe, die zwei Menschen zu Ehepartnern werden lässt, auch die Bedeutung der Zweckgemeinschaft steht. Die Liebe kann ich aus den blanken Zahlen natürlich nicht herauslesen. Ich sehe aber, dass kein(e) Witwe(r) lange alleine bleibt. Immer wird sehr kurze Zeit, nachdem ein Ehepartner verstirbt, erneut geheiratet. Jedoch bin ich noch auf keine Ehe gestoßen, die nicht durch Tod eines Partners beendet wurde.
    Ich vermute, dass durch die typische alte (heute nicht mehr gerne gesehene) Rollenverteilung ein Mann nicht ohne eine Frau zurecht kam und anders herum genau so wenig. Sogar bei meinen beiden noch lebenden Opas sehe ich das: sie haben beispielsweise noch nie in ihrem Leben gekocht, was täten sie ohne die Oma...
  • Viele Kinder. Meine Vorfahren mussten zu den größten Teilen Felder bestellen, um Leben zu können. Teilweise für die eigenen 'hungrigen Mäuler' und anderen Teils auch für den Lohn, der dadurch erwirtschaftet wurde. Haus und Hof verlangten auch nach vielen anpackenden Händen. Zusätzlich waren damals (wie auch heute noch in Entwicklungsländern) die Kinder eine Art Rente. Waren die Eltern alt und konnten nicht mehr für sich sorgen, so taten das ihre Kinder.
    So ist es nicht verwunderlich, dass Familien mit mehr als zehn Kindern keine Seltenheit sind. Wobei man auch beachten muss, dass die Sterberate bei Säuglingen und Kleinkindern sehr hoch war. Auch das ist etwas, das mich sehr berührt: die ganzen kleinen Kinder, deren Geburts- und Sterbedaten ich eintrage. Jedes einzelne Kind tut mir ein wenig leid, auch wenn ich mir sage, dass ich mir das nicht zu Herzen nehmen soll. Sie schweben aber nun einmal kurz in mein Zimmer und fliegen als Knirps wieder hinaus.
  • Aberglaube hin oder her. Ich finde es auffällig, dass nach einem Kindstod dem nächstfolgenden Kind (die Abstände waren meist sehr kurz, maximal ein Jahr) der gleiche Name wie dem eben verstorbenen gegeben wird. Ich glaube, heutzutage würde das eher vermieden werden, wenn ich die breite Masse mal so einschätzen darf. Vielleicht liegt das ja ganz profan daran, dass damals die Vielfalt der Namen, die vergeben wurden und damit die bestehende Auswahl, sehr mickrig war!?
  • Ein dennoch schöner Gedanke, der mit diesen jung verstorbenen einhergeht, ist dieser:
    Eben vorhin habe ich einen kleinen Peter notiert. Er wurde 1839 geboren und starb 1842 noch vor seinem dritten Geburtstag. Ich stelle mir einen Säugling vor, einen kleinen Bub, der schon durch das Haus tapst und versucht, seine Welt zu erfassen, bis er eines Tages - ob durch Krankheit oder eine Art plötzlichen Kindstod weiß ich nicht - diese Welt wieder verlässt. Er hat nicht viel bewirkt, keinen Nachwuchs hinterlassen und wird daher in dem verzwickt verzweigten Ahnenbaum nicht mehr an anderer Stelle erscheinen. Dennoch, mehr als 170 Jahre nach seinem Tod ist er nicht vergessen. Er war hier in meinem Zimmer, ich habe seinen Namen getippt, seine Geburts- und Sterbedaten und ihn seinen Geschwistern zugeordnet. Er nimmt an dieser Stelle genauso viel Platz ein, wie die großen, die später geheiratet und sich vermehrt haben.
  • Ich bin ja, wie schon erwähnt, noch beim blanken Erfassen der bereits vorliegenden Informationen. An einigen Stellen hat sich schon gezeigt, dass es Lücken gibt, die wohl auch durch andere mir verfügbaren Quellen nicht gefüllt werden. Bevor ich aber daran denke, weiter zu forschen und noch nicht niedergeschriebene Daten zu sammeln, will ich die vorliegenden zunächst komplett aufnehmen.
    Was mir dabei immer klar wird: diese "Forschung" bestünde zu größten Teilen ja darin, Lebende zu deren Wissen zu befragen. Hätte ich vor mehreren Jahren damit angefangen, dann wäre mein Urgroßvater noch da gewesen, der bis zu seinem Tod mit 95 geistig fit war. Er hätte sicher einige der offenen Fragen beantworten können. Und die, die jetzt noch leben, wie lange soll ich noch auf ihr Weiterleben hoffen? Habe ich die Zeit, erst die Datenerfassung zu beenden? Oder soll ich parallel 'arbeiten'?
    Grundsätzlich muss ich mir ja auch die Frage beantworten, wie intensiv ich das überhaupt betreiben will. Schön wäre es natürlich, möglichst alle noch zu ergatternden Daten zu haben, aber ob ich den riesigen Zeitaufwand dafür aufbringen kann, ich weiß es nicht. Ich bin ja am vierten (Urlaubs-)Tag jetzt immer noch mit der Erfassung der Vorfahren meines Vaters beschäftigt. Meine Mutter kommt erst noch...
  • Spannende Dinge entdecke ich für mich, die mich anspornen, weitere Informationen zu suchen. Beispielsweise weiß ich nicht, warum eine Familie, nachdem sie bereits drei Kinder an einem Ort geboren hat, auf einmal aufbricht und sich knapp dreihundert Kilometer weiter in einem anderen Land niederlässt und dort noch die restlichen Kinder zur Welt bringt. Vertreibung? Ließ das 'alte' Land eine erfolgreiche Bewirtschaftung nicht mehr zu?


    Vielleicht könnte ich die Liste noch fortführen, wenn ich sie weiterhin als Entwurf geöffnet lasse, während ich an dieser Sache dran bleibe. Denn dauernd kommen neue Eindrücke auf mich zu. Aber ich möchte hier vorerst beenden und den Text abschließen.

    Ein Wort vielleicht noch zu der Software, die ich nutze, um diese Daten zu erfassen: nach einem ersten nicht zufriedenstellenden Versuch bin ich bei Gramps gelandet und damit sehr glücklich. Auch die Export und Konvertierungsmöglichkeiten sind großzügig. Das kann wichtig sein, wenn man die Daten an anderer Stelle bereitstellen oder weiterverarbeiten will. So gebe ich etwa meinen Angehörigen Lesezugriff auf das bisher von mir Gesammelte über web und nutze dafür die Software webtrees. Der Export/Import der Daten klappt mit diesen beiden Systemen hervorragend und webtrees bietet auch gute Ansichts- und Berichtmöglichkeiten.

Samstag, 1. Dezember 2012

Böser deutscher Konsument

"Der deutsche Konsument hat es gern preiswert - die Arbeiter in Bangladesh zahlen dafür"

So der Untertitel eines Artikels aus der aktuellen Zeit ("Macht am Wühltisch", 49/2012). Diese oder ähnliche Aussagen, die alle mit dem Zeigefinger auf den (geld-)geizigen Deutschen bzw. Industriestaatenbürger zeigen, gibt es seit dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesh zu Hauf. In dieser Aussage steckt natürlich Wahrheit, das ist sicher. Was mich aber dabei ein wenig wurmt: die Einschätzung, die dahinter steckt, ist in gewisser Weise die, dass wir hierzulande alle vor dem Einkauf abwägen: Gehe ich zum teuren Laden, der hochwertig und unter höchst menschlichen Bedingungen erzeugt hat oder der in Sachen Nahrung Bio ist - oder aber gehe ich zum Discounter, der mir Nahrung und Klamotten deutlich billiger verkauft. Und ich als gemeiner Westmensch denke nicht an die Menschen, die unter härtesten und teilweise kaum zumutbaren Bedingungen diese Produkte erzeugt haben. So, als wäre es mir prinzipiell egal entscheide ich mich dann für das billigere Angebot, einfach weil ich mir die ersparten Euro dann auf Seite lege und mir damit irgendeinen Luxusartikel leiste, den ich eigentlich gar nicht brauche. Aber so kann ich dann eben. Und Menschen in Bangladesh zahlen den Preis dafür - is mir egal.

So ist es aber bei extrem vielen Leuten nicht, ich wage zu behaupten, bei der Mehrheit trifft dieses Bild nicht zu. Viele stecken in einer Situation, die keine Wahl erlaubt. Es gibt nur: kaufe ich mir jetzt die Winterjacke vom Billigladen, oder kaufe ich sie mir nicht und zittere ein wenig durch meine winterlichen Wege. Wir leben noch lange nicht im Luxus, nur weil wir Discount-Produkte kaufen. Aber ja, zugegeben, wir leben eben, meist dennoch mit höherem Standard als Menschen in Bangladesh. Aber was wäre denn, wenn das abgeschafft würde? Was, wenn die Billigproduktion einfach abgestellt werden würde? Gibt es irgend jemand, dem es dann besser ginge? Wir hier könnten uns oft weniger Dinge leisten, die wir zum normalen Standardleben brauchen. Die Unternehmen? Denen gefällt das natürlich auch nicht mehr, denn teurer produzieren ließe den Gewinn sicher absacken, da sich weit weniger Käufer finden werden. Und die Menschen in den Billiglohnländern? Glaubt denn irgendjemand, dass alle ihren Job behalten, eben in einer neuen Fabrik, die alle Maßnahmen des Arbeitnehmerschutzes umsetzen?

Ich tue mir schwer mit dieser pauschalen Kritik und haben den Eindruck, dass sie von Menschen kommt, die die Wahlfreiheit vor dem Einkauf haben und sich leicht damit tun, den "guten" Weg zu gehen, die sich aber nicht in die Menschen hierzulande versetzen können, die sich schwer tun, trotz Discounter in allen Bereichen, noch gerade so über die Runden zu kommen. Also hart ausgedrückt habe ich die Befürchtung, dass die eigentliche Abwägung lautet: leiden die Menschen in Bangladesh & Co weiter in diesem Maße für uns oder lassen wir viele von ihnen mehr leiden und leiden selbst auch noch ein wenig mit.

Oder nich?

Sonntag, 18. November 2012

Nachrüstung - Atomwaffen - Verhalten des Westens

Zu meinem Artikel Iran und die Atombombe gab es keinen einzigen Kommentar. Vielleicht ist die zentrale Frage, warum der Iran denn eigentlich keine Atomwaffe haben darf nur schwer guten Gewissens in der Form zu beantworten, die auf ein klare Ablehnung seines Rechtes darauf hinauslaufen würde. Andererseits aber mag vielleicht niemand aussprechen, dass es der Iran ja eigentlich im Sinne der Behandlung aller nach gleichen Maßstäben dürfen sollte. Harter Tobak, schwer für unsereiner Gewissen?

In der aktuellen Entwicklung auf dem Weltrüstungsmarkt gibt es erneut Nahrung für mich und mein Unverständnis darüber, wie sich der Westbürger so selbstverliebt und selbstverständlich hinstellen und fordern kann, ein anderes Land dürfe das nicht tun, was er aktiv betreibt und immer weiter verfolgt, verfeinert und ausbaut.

An (mindestens) drei Stützpunkten in Deutschland hat die US-amerikanische Regierung B61-Atomwaffen gelagert. Jeweils zwischen 10 und 20 Stück, genaue Zahlen sind geheim. Beispielsweise in Büchel/Rheinland-Pfalz.

Diese sollen nun modernisiert werden. Das bedeutet, dass sie mit einer Technik ausgerüstet werden, die sie deutlich zielgenauer macht und damit ihren militärischen Wert steigert. In der Praxis hieße das, dass sie nicht mehr wie bisher von Kampfjets über dem Zielgebiet abgeworfen werden müssen. Diese Variante (B61-12, Sprengkraft 4fach die der Hiroshima-Bombe) kann durch Langstreckenbomber abgeworfen werden, womit die indirekte Reichweite deutlich steigt.

Unter diesem Gesichtspunkt erneut die Frage: wie will sich der Westbürger jetzt vor den Iraner stellen und weiterhin argumentieren, dass dieser die Atomwaffe nicht besitzen dürfe, selbst aber weiter daran bastelnd und verbessernd. Weil wir die braven sind und sie nur im Verteidigungsfall einsetzen würden? Wieso soll der Iraner uns das abnehmen? Wir glauben ihm ja auch nicht, dass er die Technik nur zu Forschungszwecken einsetzt.

Weiterhin frage ich mich, ob wir uns uns selbst nur durch unsere Augen sehen können?
Wir halten uns für gut. Der Iraner tut das auch und hat von uns ein ganz anderes Bild als wir. Kann es nicht sein, dass der Westen dem Iran und dem gesamten arabischen Sektor viel mehr Angst bereitet, als wir es anzunehmen wagen?

Gäbe es eine allgemein gültige Wahrheit, so wären wir vielleicht böser als der Iran?

Die gibt es natürlich nicht.
Worauf ich hinaus will: unterschiedliche Kulturen, grundlegend unterschiedliche Weltanschauungen, daher sollten wir nicht aus bloßem Unverständnis heraus urteilen, den Iran als gefährlich klassifizieren und selbst so böse Entscheidungen treffen wie etwa das Entziehen gleicher Rechte für alle.

Oder ????

Informationen über diese Nachrüstung finden sich beispielsweise in dem Artikel "Atombomben, ja bitte!" von Jochen Bittner in der aktuellen Ausgabe der Zeit (2012-47 S.5).

Montag, 8. Oktober 2012

Iran und die Atombombe

Zu dem Thema selbst brauche ich denke ich nichts Einführendes sagen. Die ganze Welt, allen voran Israel, ist sehr darum bemüht, den Iran daran zu hindern, in den Besitz einer Atombombe zu kommen. Um das zu erreichen, werden fast alle Mittel in Erwägung gezogen und ich könnte mir vorstellen, dass nach der US-Wahl im November diesen Jahres auch das letzte Mittel, ein Angriff auf den Iran, zur Realität wird.
Was mich an der ganzen Sache eigentlich interessiert und was immer in mir geweckt wird, wenn ich Berichte über diesen Konflikt lese oder höre, ist folgende einfach klingende Frage:

Warum eigentlich darf der Iran keine Atombombe haben??

Ja, warum? Weil er gefährlich ist? Das glaube ich nicht. Zumindest akzeptiere ich eine solche pauschale Aussage nicht. Das ist doch ganz klar Ansichtssache. Wir zum Beispiel, die Deutschen, sind auch gefährlich! Wir liefern Waffen ich Spannungsgebiete und fördern damit den Bestand der Auseinandersetzungen und sicher auch einige Menschenleben. Die Amerikaner erst! Wie viele Menschen haben unschuldiger Weise durch sie bereits Leben verloren? Aus Sicht der Iraner gibt es noch weit mehr Gründe, die belegen, dass viele Westmächte, die in unseren Augen die Guten sind, in (deren) Wirklichkeit die Bösen sind!

Was ich damit sagen will: wenn wir das Recht haben, den Iran gefährlich zu nennen, dann hat er das Recht, uns auch so einzustufen. Es gibt nicht die eine Realität. Und somit fliegt das Argument raus, basta.

Ich drehe den Spieß sogar um: ich finde es total überheblich und arrogant, zu verlangen, der Iran solle keine Atomwaffen haben! Nebenbei erwähnt: die, die das an vorderster Front verhindern wollen, haben selbst natürlich bereits die Atombombe in ihrem Waffenrepertoire. Nicht nur die USA, auch Israel. Also stellen sich diese Mächte doch allen Ernstes hin und sagen quasi: "Ätschibätsch, ich war schneller als du, ich hab die Atombombe entwickelt, du hattest zu wenig Forscher und Mittel, genau so schnell zu sein, wie ich, und jetzt sage ich der ganzen Welt, dass die Atombombe viel zu gefährlich ist und deshalb darfst du sie jetzt nicht mehr bauen. Bei mir galt das natürlich nicht, ist doch logisch. Warum? Das steht nicht zur Diskussion, befolge einfach meinen Befehl, denn ich habe die Atombombe!"

Naja, mit der Atombombe droht natürlich niemand, aber wer hat denn bitte bestimmt, dass ab dem Tag x (wann auch immer der gewesen sein mag, aber er ist schon Vergangenheit) das Forschen um den Bau einer Atombombe und der Besitz derer nicht mehr erlaubt sind?? Abrüstungs- und Atomwaffenabkommen hin oder her, das sind ja nur zu Papier gebrachte Auswüchse der gleichen Situation. Gleiches Recht für alle! Es kann doch niemand mit einem Stein in der Hand verlangen, dass niemand einen Stein in die Hand nehmen soll! Kann mir das mal bitte jemand erklären?

Samstag, 6. Oktober 2012

Das Essen-Fax rückt näher, durch 3D-Drucker

Ich habe es ja schon hier prophezeit, das Essen-Fax sei gar nicht mehr sooo undenkbar. Und jetzt der Vormarsch des 3D-Druckers. Ich sage euch ich sage euch, es wird immer greifbarer. Aber mal langsam, denn wer schon mal etwas von 3D-Druckern gehört hat, der kann sich zurecht fragen, was das wohl mit Essen zu tun hat.

3D-Drucker werden ja bereits seit einiger Zeit in der Industrie eingesetzt. Er wird eingesetzt um alle möglichen Teile aus Kunststoff oder auch Metall in geringen Mengen herzustellen. Wenn also irgendwo eine spezielles Produkt benötigt wird, wozu nicht gleich ein ganzer Industriezweig bzw. Handelsweg umgekrempelt werden will, weil nur eine geringe Stückzahl benötigt wird, dann ist so ein Gerät perfekt.

Und hier fängt so langsam die Verbindung zu meiner Idee des Essen-Faxes an. Dieser 3D-Drucker benötigt nämlich zum Herstellen eines solchen Teiles nur die Information, wie es denn auszusehen hat. Details wie Materialzusammensetzung, Abmesunngen, Dicke, Abschrägung und natürlich noch vieles mehr. Dennoch bleibt es eine digitale Datei, die diese Informationen liefert und die man natürlich speichern und wiederverwenden kann. Was darüber hinaus selbstverständlich auch noch vorhanden sein muss sind die Grundsubstanzen, aus denen sich das Zielprodukt zusammensetzt. Also Metallpulver, Kunststoffgranulat usw.

Jetzt habe ich schon zwei mal zum Essen-Fax-Artikel verlinkt, ich hoffe, ihr habt ihn mittlerweile gelesen ;). Die beiden Prinzipien sind sich ja schon so gut wie identisch. Beide benötigen Grundsubstanz (im Falle des Essens hatte ich es eine Art 'Ursuppe' genannt) und beide benötigen dazu nur noch die Informationen, die das Zielprodukt in Zusammensetzung und Form bestimmen. Der Rest, also das "Kochen" oder "Zusammenschweißen" stellt mit Sicherheit keine unüberwindbaren Herausforderungen mehr dar.

Was ich noch als Schwierigkeit beim Essen-Fax sehe, ist die Aufbewahrung des organischen Grundmaterials. Das ist natürlich nicht so einfach lagerbar wie etwa Metallpulver. Aber auch dafür gibt es Lösungen. Man muss sich eben von der Idee der immer im Gerät befindlichen "Druckpatrone" verabschieden.

Ja und was soll jetzt neu sein an dieser Sache, wenn es die 3D-Drucker doch schon eine Weile gibt? Neu, so etwa auch in zwei Artikeln der aktuellen Ausgabe der Zeit (41/2012 "Der Alles-Drucker" & "Brrrt, ssst, fertig") nachzulesen, ist, dass der 3D-Drucker seinen Weg in die Massentauglichkeit einschlägt. Es gibt bereits Exemplare, die unter 1.000,- Euro zu haben sind. Kleinere Betriebe oder Privatleute mit noch etwas Platz im Werkzeugschuppen könnten sich jetzt auch schon überlegen, ob sie sich nicht so einen Helfer anschaffen, der bei Bedarf mal eben ein u.U. sehr spezielles Werkzeug ausspuckt. Oder wenn mal schnell ein fehlender Schraubenschlüssel her muss und der Weg zum nächsten Baumarkt zu weit ist...

Ich denke, dass bei einer solchen Entwicklung der Sprung zu einem 3D-Drucker, der organisches Material verwendet und eben Essen herstellt, quasi zu meinem Essen-Fax, nur noch sehr klein ist. Bald kann man sich bis 5 Minuten vor dem Essen noch entscheiden, ob es denn türkische Pizza oder indisches Curry-Huhn werden soll oder eines der weiteren 5.000 Gerichte, die man auf der externen Festplatte gespeichert hat.

Was das für die Wirtschaft bedeutet, wenn diese 3D-Drucker wirklich massentauglich hergestellt werden, das ist ein anderes, großes Fass.

Sonntag, 26. August 2012

NPD Verbot


Derzeit wird ja mal wieder intensiv darüber diskutiert, ob die NPD verboten werden solle oder nicht. Ich selbst identifiziere mich ganz und gar nicht mit deren Einstellung, finde aber, dass die Partei solange bestehen soll, solange sie Anhänger hat.

Es gäbe doch kein besseres Beispiel für hysterisch übertriebenes und wirkungsloses Bekämpfen von einem reinen Symptom als ein solches Parteiverbot einer extremistischen Partei. Das Problem ist doch nicht die Partei, sondern die Tatsache, dass sie einer nicht geringen Zahl an Bürgern aus der Seele spricht. Viele Bürger identifizieren sich mit genau den Punkten, die die NPD vertritt. Wenn überhaupt, dann muss da angesetzt werden.

Es muss die Frage beantwortet werden, ob Deutschland überhaupt grundsätzlich ein Problem hat mit rechts oder rechtsextrem orientierten Bürgern. Ist der Anteil solcher Menschen hier in Deutschland auffällig hoch verglichen mit einem "normalen Durchschnitt"? Ob es eine Zahl gibt, die diesen "normalen Durchschnitt" beschreibt, weiß ich nicht, gefunden habe ich dazu nichts. Dass Faschismus nicht nur in Deutschland ein Thema ist, das ist aber ja klar (eine von ättlichen Quellen dazu gibt es hier). Wenn wir hier versuchen wollen, die möglicher Weise steigenden Zahlen an Rechtsextremen Bürgern in Europa zu stoppen oder zu dämmen, dann bringt ein Parteienverbot gar nichts. Obwohl, natürlich hat es Auswirkungen. Eine wird sein, dass sich die Menschen, die sich jetzt nicht mehr öffentlich vertreten fühlen, andere Wege suchen, diese Befriedigung wieder zu erhalten. Ob hier noch extremere Gruppierungen Zulauf finden oder einzelne vielleicht selbst aktiver (=gewaltbereiter) werden oder sonstige andere Wege gefunden werden, sei dahin gestellt. Was aber mit absoluter Sicherheit nicht passieren wird: sie werden ihre politische Einstellung nicht ändern, nur weil eine Partei verboten wurde.

Hier wird glaube ich die Henne mit dem Ei verwechselt. Die Partei kann es doch nur geben, weil dieses Potential in der Bevölkerung vorhanden ist. Es ist nicht so, dass wir zunehmend rechsorientierte Bürgerinnen und Bürger haben, weil die NPD gegründet wurde.

Drum lasst denen die Partei, durch die sie ausdrücken können, wie sie denken und wenn uns diese Haltung nicht passt, dann müssen wir die Ursachen dafür herausfinden, hinterfragen und wenn möglich aus der Welt schaffen. Wenn es keine Anhänger mehr gibt, dann löst sich die NPD schon von alleine auf.

Samstag, 25. August 2012

Kultur in Bayern

Vor einiger Zeit habe ich mich bereits meine Verwunderung darüber ausgesprochen, dass der Radiosender B5-Aktuell in seinen Kulturnachrichten immer nur eines bringt: Fernsehtipps für den Abend des gleichen Tages die sich zu 90% auf das Programm des Senders Arte beziehen.

Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass in ganz Bayern nichts interessanteres im Sektor Kultur passiert, das eine Meldung wert wäre. Keine neue Theaterinszenierung, kein Konzert, keine sonstige Veranstaltung der tausendfach vorhandenen großen und kleinen Kunstbühnen des Landes? Oder liegt es daran, dass sich nur Arte eine solche Erwähnung zwischen den viertelstündlichen aktuellen News des Senders leisten kann?

Wie dem auch sei, ich war heute ganz verwundert, als ich in eben jenen Kulturnachrichten ein neues Themenfeld behandelt hörte: Computerspiele für Erwachsene! Da ich nicht zu der Zielgruppe gehöre, kann ich mich auch nicht mehr an die beiden vorgestellten Spiele erinnern.

Nach wie vor finde ich es sehr interessant, was in den Ohren eines Hörers Bayern alles so an kulturellem Leben zu bieten hat.

In den Podcasts der Website findet man auch Kulturnachrichten zu vielen weiteren Bereichen, das sieht toll aus. Offensichtlich aber werden diese nur in den sonntäglichen Spezialsendungen erwähnt. Ich fände es schön, wenn auch während des Tages nicht nur Fernseh- und Computerspieltipps gesendet würden.

Freitag, 27. April 2012

Petersiliewurzel

Habe ich schon einmal erzählt, dass ich den Geruch von garender Petersiliewurzel total liebe? Nicht? Na wahrscheinlich, weil es nicht wichtig ist. Egal. Ich möchte hier festhalten, dass es mich sehr an meine Kindheit erinnert, weil meine Mutter sehr gute Eintöpfe oder Rindssuppen macht und dort unter anderen Gemüsesorten auch sehr häufig eben Petersiliewurzel dabei war.

Ich habe mir nämlich heute für die nächsten Tage schon mal Soße vorgekocht, die ich dann einfriere und mal mit Nudeln, mal mit Bratkartoffeln verzehren werde.

Hm, ich kann weiter schreiben und weiter schreiben, aber so richtig ergibt sich einfach keine Pointe oder irgendeine Moral von der Geschicht. Aber wieso soll ich mich nicht auch mal in die Riege derer einreihen, die über Facebook alle wissen lassen, dass sie gerade Zähne geputzt haben, auf der Toilette waren oder gähnen mussten.

So bleibt also die wichtige Nachricht:


Habe Soße mit unter anderem Petersiliewurzel gekocht!

Sonntag, 15. April 2012

paradox

Habe gerade einen alten Entwurf gefunden, der hier noch so herumgeisterte. Er stammt aus April 2009 und ich erinnere mich an diese Zeit. Heute muss ich sagen, dass dieses Phänomen nachgelassen hat und ich an diesen beschriebenen anstrengenden Tagen auch ausgepowert und energielos in den Feierabend gehe. Damals aber war es tatsächlich noch etwas anders, seht:


Ein interessanzes Phänomen, wie ich finde:
es gibt Arbeitstage, die sind ganz normal: nicht zu nervig, nicht sehr stressig und auch nicht außergewöhnlich anstrenegend. Dann die anderen, die richtig auslaugen, die ein fast unlösbares Problem nach dem anderen hervorbringen, viele Fehlentscheidungen, viele Momente, in denen ich veräußern muss, hinter was ich nicht wirklich stehe, und es sind auch genau diese anstrengenden Tage, die immer länger dauern, als der Durchschnitt.
Was mich aber verwundert: genau an diesen 'schweren Tagen' bin ich nach Feierabend viel geladener als an den anderen. Die Tage, die mich also kaputter und eigentlich ausgelaugter machen, das sind die Tage, an denen ich Abends noch unbedingt weg will, an denen ich sehr aufgedreht bin, an denen ich also überschüssige Energie habe, die irgendwie raus muss...
Wenn ich mich mit Arbeitskollegen darüber unterhalte, dann merke ich, dass ich nicht der einzige bin, der aus auslaugenden Tagen mit mehr Energie rausgeht als aus normalen.

Es lebe die Schwere!

Samstag, 14. April 2012

Warum 'relaxing music' entspannt

Mir wurde heute klar, warum die Wirkung, die entspannende Musik der tausend verfügbaren Chill-Radiosender verspricht, bei mir auch eintritt:
Sie schaffen es einfach, den letzten Ohrwurm aus dem Kaufhaus, vom Radiowecker oder dem pfeifenden Passanten wieder zu verbannen. Vielleicht bin ich ein Extremfall, aber ich schnappe sowas auf und die Platte dreht sich und dreht sich in meinem Kopf und jedes Ende ärgert mich ein wenig, bis ich beim nächsten letzten Ton merke, dass schon wieder ein Durchlauf kam. Und so weiter und so weiter. Eine leichte Spannung entsteht so durchaus!

Ja und genau davon lösen mich diese Sender. Wichtig hierbei ist nicht nur, dass sie diesen letzten Ohrwurm verbannen, sondern auch, dass sie keinen neuen einpflanzen! Dass sie mich als freier Mensch wieder entlassen!

Besonders wenn ich mich am Computer (arbeitend) konzentrieren möchte, sind sie mir ein starker Helfer geworden.

Wenn ich sie schon lobe, dann kann ich auch einige meiner Favoriten hier nennen:

Es gibt wie gesagt viele mehr, aber diese sind die, in denen ich meistens als Hörer herumflirre.

Ob ich ohrwurmkrank bin?